Gut Aiderbichl – Ein zweites Leben für Tiere

Tiere haben es in unserer Gesellschaft nicht leicht. Wir Menschen sind am Leid vieler Tiere maßgeblich beteiligt. Die Zerstörung natürlicher Lebensräume, Massentierhaltung, Tierversuche und Sensationsgeilheit sorgen für immer mehr Qualen. Und wenn das Lebewesen nicht mehr gebraucht wird, wartet meist nur noch der Schlachter. Die Hybridkuh die nach etlichen Jahren des Dauerkalbens am Ende ihrer Kräfte ist hat in diesem System genau so wenig eine Chance auf ein würdevolles Leben wie das Zirkuspferd, dessen Daseinsberechtigung nur dann gegeben ist, wenn es in der Show abliefert.

Das ich diesen Umgang mit Lebewesen verabscheue muss ich sicherlich nicht noch weiter ausführen. Bei all dem Übel gibt es aber immer auch Hoffnung und Menschen die sich dafür einsetzen, dass Tiere sehr wohl einen friedvollen Lebensabend haben dürfen.

Ein neues Zuhause

Die Geschichte von Gut Aiderbichl ist die Geschichte von Michael Aufhauser, einem Schauspieler und Unternehmer dem Tierleid nicht egal ist. Als er 1991 Zeuge davon wurde wie Hunde und Katzen von Hungefänger qualvoll vergast wurden, wollte er das nicht hinnehmen. Er rettete die verbliebenen Tiere und sorgte dafür das sie gut untergebracht werden. Aus dieser Erfahrung entstand die Idee zu Gut Aiderbichl. Michael Aufhauser hat es sich zur Aufgabe gemacht Tiere vor dem sicheren Tod zu bewahren und ihnen ein neues Zuhause zu geben. Mittlerweile gibt es drei besuchbare Güter und mehr als 20 Gnadenhöfe, dazu gehört auch das neue Affenrefugium bei Wien.

Jedes Tier wird dabei als Individuum verstanden und bestmöglich versorgt. Zur Philosophie von Gut Aiderbichl gehört es, dass alle Tiere gleich behandelt werden und keines bevorzugt wird. Die Tiere von denen keine Gefahr für den Menschen ausgeht dürfen sich frei auf dem Gut bewegen, alle anderen haben genauso viel Freilauf, aber auf gesicherten Weiden.

Unser Besuch in Iffeldorf

Wir haben letztes Jahr das Gut in Iffeldorf besucht. Ich wollte schon lange mal ein Gut Aiderbichl besichtigen und habe mich auf diesen Besuch besonders gefreut.

Iffeldorf
https://www.gut-aiderbichl.com/besuchbare-gueter/iffeldorf/iffeldorf/

Iffeldorf liegt idyllisch direkt an den Osterseen unterhalb von München. Entstanden ist dieses Gut aus der Initiative einer Landwirtfamilie die ihren Hof aufgrund der rapide fallenden Milchpreise nicht mehr weiter führen konnte und sich somit an Michael Aufhauser wandten. Durch eine großzügige Spende wurde dieses Projekt schließlich realisierbar. Heute leben auf dem Gut mehr als 300 gerettete Tiere.

Schon beim eintreten in das Gut hat man diese besondere Atmosphäre gespürt. Es ist nicht im entferntesten vergleichbar mit einem Tierpark oder Zoo. Auf Gut Aiderbichl ist es weder laut, noch verhalten sich die Besucher rücksichtslos gegenüber den Tieren. 

Gut Aiderbichl

Meine Kinder waren total begeistert davon dass die Tiere einfach frei herumlaufen und manche sich sogar streicheln lassen. So kam uns schon zu Beginn ein Esel entgegen, der anscheinend sehr gerne Schreicheleinheiten hatte. Plötzlich wurde es doch sehr laut! Ein Pfleger hatte viele bellende Hunde an der Leine und führte sie zu der Hundewiese. Auf dieser dürfen sie sich frei bewegen, ohne das es zu gefährlichen Situationen zwischen Mensch und Tier kommen kann. Wir gingen vorbei an Ziegen und Pferden und auf dem Weg zu den Rindern kam uns eine Horde Schafe entgegen. Es sah aus als würden sich die Damen bei einem kleinen Spaziergang etwas die Beine vertreten.

Gut Aiderbichl

Was uns aber auch sehr bald auffiel war, dass viele der Tiere ein Handicap hatten. Wir sahen ein Schaf das hinkte oder einen Hund mit nur drei Beinen. Tiere werden auf Gut Aiderbichl nicht gleich eingeschläfert nur weil sie krank oder alt sind oder eine Behinderung haben. Natürlich werden die Tiere medizinisch versorgt und niemand möchte das sie leiden, aber es wird immer versucht eine ethische Entscheidung zu treffen was auch bedeutet, dass ein Schaf mit Rheuma durchaus auch noch ein würdevolles Leben haben kann. Es wird immer zur jeder Zeit für das Tier entschieden!

Gut Aiderbichl – Ein Zuhause! Kein Tierheim!

Die Bewohner von Gut Aiderbichl finden ein neues Zuhause und werden dort ihren Lebensabend verbringen. Eine Weitervermittlung ist nicht vorgesehen. Lediglich bei Katzen und Hunden wird unter bestimmten Voraussetzungen eine Ausnahme gemacht. Wir waren wirklich begeistert davon wie gut es die Tiere haben und mit welcher Fürsorge und Wertschätzung die Tierpfleger und Mitarbeiter sich um die Tiere kümmern.

Zu bestimmten Zeiten am Tag dürfen Besucher in das Katzenhaus und die Katzen streicheln. Aber auch hier wird vorab darauf hingewiesen, dass die Tiere nicht bedrängt werden sollen, sondern das wir uns einfach hinsetzen und warten bis eine Katze zu uns kommt. Das Katzenhaus war mit so viel Liebe zum Detail gestaltet. Es hatte mehrere Ebenen, viele Möglichkeiten sich zu verkriechen, zu klettern oder in einem der vielen Körben ein Nickerchen zu machen. Auch ein Außengehege war dabei, welches die Katzen über einen langen Gang erreichen. Ich bin jetzt nicht der große Katzenliebhaber, aber das fand sogar ich wirklich toll!

Gut Aiderbichl

Tierschutz geht uns alle an! – Unterstützung von Gut Aiderbichl

Ein solches Projekt kann nur funktionieren, wenn ausreichend Unterstützung vorhanden ist. Leider werden Tiere in Not nicht weniger und eigentlich braucht es noch viel mehr Güter! Auch ein Affenhaus reicht nicht! Es müssen noch mehr Tiere gerettet werden und es muss denn Menschen endlich bewusst gemacht werden, dass Tiere auch Lebewesen sind! Damit das Team auch in Zukunft ihre Arbeit erledigen und Tieren ein Zuhause geben kann sind sie auf finanzielle Hilfe angewiesen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten diese wundervollen Einrichtungen  zu unterstützen.

Neben einer Direktspende ist es auch möglich eine Tierpatenschaft abzuschließen. Dabei sucht man sich ein bestimmtes Tier aus und erhält je nach Betrag eine Mitgliedskarte. Mit dieser Karte bekommen die Paten freien Eintritt auf allen Gütern und erhalten unter anderem eine Patenurkunde. Mein Sohn wollte natürlich sofort Pate werden und hat sich für Franziska, die Kameldame, entschieden. Franziska hat in einem Zirkus gelebt und hat jetzt eine schöne Zeit auf Gut Aiderbichl in Iffeldorf. Ich finde das eine solche Patenschaft ein total schönes und vor allem auch nachhaltiges Geschenk sein kann.

Wenn ihr die Möglichkeit habt und in der Nähe seid, dann besucht unbedingt ein Gut Aiderbichl!

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