Interview mit Antonia Unger – Doula, postnatale Ernährungsberaterin und Wegbegleiterin

Antonia Unger ist zweifache Mutter, selbstständig und lebt in Australien. Sie arbeitet als Doula und bietet ein Catering das auf postnatale Ernährung spezialisiert ist an. Auf ihrer Seite Mamabirth bekommen Schwangere eine ganzheitliche Unterstützung auf dem Weg zum Mamasein!

Ich durfte Antonia interviewen und freue mich dieses euch heute vorzustellen!

Liebe Antonia, wie bist du zu diesem speziellen Angebot gekommen? 

Bei meiner ersten Geburt hatte ich eine sehr starke Blutung und, um das verlorene Blut wieder aufzubauen, habe ich angefangen mich intensiv mit Ernährung zu befassen, die dabei hilfreich sein kann. Nachdem ich dann meinen zweiten Sohn bekommen hatte, habe  ich gemerkt, dass ich mich einfach nicht gut genug um meinen eigenen Körper kümmere und ihm nicht die Nährstoffe zu geben schien, die er brauchte. Ich war immer sehr erschöpft und man konnte mir auch äusserlich ansehen, dass mir etwas fehlte. Ausserdem ist besonders die erste Zeit mit zwei Kindern für mich, eine grosse Umstellung gewesen und ich fand es sehr stressig immer darüber nachdenken zu müssen, was ich nun kochen sollte. Und so habe ich mich immer mehr in das Thema postnatale Ernährung hineingefühlt, immer mehr gelesen und viel recherchiert. Als dann einige meiner Freundinnen auch Babys bekommen haben, habe ich einfach mal ein paar Dinge ausprobiert und sie mehrere Wochen nach ihrer Geburt mit Essen versorgt. So ist dann die Idee des Caterings entstanden. Ich war mir sicher, dass es bestimmt noch mehr Frauen hier in Perth gibt, die sich etwas Unterstützung wünschten und von gutem wertvollen und heilendem Essen in ihrem Wochenbett profitieren würden. Im Laufe der Zeit habe ich immer wieder meine innige Verbindung zu den Frauen gespürt und wollte ihnen noch intensiver und ganzheitlicher zur Seite stehen. Deswegen habe ich mich dann entschlossen Doula zu werden.

Ich denke das die Tätigkeit der Doula auch hier in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewinnen wird. Was macht eine Doula genau? Was sind deine Aufgaben? Wie kommen die Frauen zu dir?

Eine Doula ist eine Geburtsbegleiterin, die die Frauen nicht medizinisch, etwa wie eine Hebamme begleitet, sondern viel mehr zur emotionalen Unterstützung da ist. Ich kümmere um uns ihr Wohl und versuche ihr so gut es geht die Wünsche von den Augen abzulesen. Manchmal helfe ich ihr auch, ihre Wünsche und Vorstellungen ihrer Geburt zu vertreten und ihren persönlichen Raum zu wahren. 

Ich unterstütze die Frauen auch zu Hause im Wochenbett. Ich helfe ihr mit der natürlichen Unterstützung des Heilungsprozesses nach der Geburt, helfe ihr im Haus, mit Geschwisterkindern, wenn es welche gibt, gebe Hilfestellungen beim Stillen und gebe ihr Zeit, sich, um sich selbst kümmern zu können. Eine Pause für sich selbst, etwas tun zu können, das nur für einen Selbst ist, ist so wichtig. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass wir ausser Mama natürlich auch noch Frau sind. 

Meistens finden mich die Frauen entweder durch Mund zu Mund Empfehlungen oder durch meine Website bzw. Facebook. 

In wieweit unterscheidet sich die Geburtshilfe in Australien gegenüber der in Deutschland?

Ich habe meinen ersten Sohn in einem Geburtshaus in Deutschland und meinen zweiten Sohn hier in unserem Haus in Australien bekommen. Für mich war es interessant die vielen Unterschiede aber auch die vielen Gemeinsamkeiten der Geburtshilfe zu entdecken. Ich glaube, das was für mich am herausragensten war, war die Tatsache, dass ich in Deutschland ohne dafür bezahlen zu müssen eine sehr intensive Betreuung durch meine Hebamme erhalten habe. Hier ist das ganz anders. Wenn man in etwa die gleiche Erfahrung haben möchte, muss man dafür sehr viel Geld bezahlen und alle Kosten privat auf sich nehmen.

Allgemein gesagt sind die Unterschiede wahrscheinlich gar nicht so gross. 

Ich empfinde es allerdings auch so, dass hier gerade eine Welle der Veränderung, zumindest im kleinen Rahmen, durch die Geburtshilfe geht. Die Frauen merken, das sie wieder bewusster und selbstbestimmter auf ihre Geburt zu gehen wollen. Doch allgemein ist die Verunsicherung und teilweise auch Angst sehr gross. Denn nicht für jede Frau ist es selbstverständlich mit absolutem Selbstbewusstsein in sich selbst und ihren Körper in die Geburt zu gehen. In solchen Fällen kann es sehr helfen eine wissende und emotionale Stütze, wie eben eine Doula, zu haben. 

Was sind die größten Schwierigkeiten für dich?

Die grössten Schwierigkeiten sind wahrscheinlich, sich für die Frauen und ihre Wünsche und Vorstellungen einzusetzen und ihnen den Mut zu machen, dass sie ihre Geburt unter allen Umständen, so gestalten und erleben dürfen, wie sie es sich vorstellen. Der Druck von aussen kann da sehr gross sein. Dann den Mut und das Selbstbewusstsein zu haben, sich dagegen zu stellen, kann oft sehr schwer sein. Doch gerade da ist es schön, dass ich ihnen mit meinem Wissen und mit meiner Person etwas von ihrem Mut zurück geben darf. Häufig sind es auch vergangene Erfahrungen, wie z.B. enttäuschende Geburtserfahrungen, die die Frauen in ihrem Weg beeinflussen und das geht mir immer sehr nahe. Ich bin ein sehr emphatischer Mensch und oft kann ich die Verbindung und die Gefühle schon spüren, ohne dass sie ausgesprochen wurden. Doch im Prinzip ist es genau das gewesen, was mich dazu gebracht hat, das zu tun was ich heute machen darf. Ich fühle einfach, dass die Frauen Unterstützung brauchen und ich wünsche mir, dass eine jede Frau wieder mit mehr Vertrauen und Selbstsicherheit in sich und ihren Körper schwanger sein und gebären kann. 

Was sind die Besonderheiten deines Caterings? Wo unterscheidet sich postnatale Ernährung von der „normalen“ Ernährung? 

Mein Catering Business basiert auf ayurvedischer, asiatisch und orientalisch beeinflusster Ernährung für das Wochenbett. In diesen Ländern ist die Tradition der Mutterpflege oft noch sehr tief verwurzelt und es gibt grosses Wissen, welche Zutaten die Heilung des weiblichen Körpers nach den Anstrengungen der Geburt am besten heilen können und z.B. auch das Stillen unterstützen können. Es liegt viel Weisheit in diesen alten Traditionen und es ist spannend sich diesen wieder bewusst zu werden und verloreneres, vergessenes Wissen wieder zu beleben.

Um mehr Frauen erreichen zu können hast du eine eigene Hompage und bietest dort verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten für Schwangere und Mütter an. Wie bist du dazu gekommen? Was ist dein Antrieb?

Ja, ich biete mittlerweile auch deutschen Frauen meine Unterstützung an. 

Ich wollte mein Wissen einfach an mehr Frauen weitergeben. Es ist mir eine Herzensangelegenheit geworden Frauen auf ihrem Weg zum Mamasein zu unterstützen. Immer wieder haben Frauen, auch in Deutschland, mir ihre Geschichten erzählt und ich habe gesehen wie gross auch da der Bedarf nach Unterstützung und oft auch der körperlichen und seelischen Heilung ist.

Ausserdem, liebe ich es mich mit anderen Frauen zu verbinden und sie dabei zu unterstützen ihre wahre Kraft in Schwangerschaft und Geburt zu entdecken. Ich wünsche mir, dass eine jede Frau in Vertrauen in sich selbst und in ihren Körper schwanger sein und gebären kann. Denn sie sind etwas so besonders. Frauen schenken leben und sie verdienen es die Geburt zu erleben, die sie sich wünschen. Und ihnen die Kraft zu geben, das zu manifestieren und sie auf dem Weg dorthin ein klein wenig zu begleiten, erfüllt mich mit grosser Dankbarkeit und Liebe. 

Welche Unterstützung leistest du auf mamabirth und welche Frauen holen sich bei dir Hilfe?

Auf mamabirth biete ich einen acht-wöchigen Online Intensiv Kurs an, der schwangere Frauen oder Frauen mit Kinderwunsch auf ihrem Weg zum Mamasein begleitet. Hierbei geht es vor allem, um die Bewältigung eventueller Ängste und traumatischen Erfahrungen, sowie die Transformation ihrer Glaubenssätze im Bezug auf ihre bevorstehende Geburt aber auch, um die ganzheitliche und natürliche Begleitung ihrer Schwangerschaft und ihre Vorbereitung auf die Geburt und das Wochenbett sowie eine bindungsorientierte Beziehung zu ihrem Kind. Eine meiner grössten Leidenschaften ist das Wochenbett bzw. das vierte Trimester. Denn ich glaube, dass durch eine Geburt nicht nur ein Baby sondern eben auch eine Mutter geboren wird. Diesen Übergang gilt es zu wahren und zu ehren und deswegen liegt einer der Schwerpunkte des Kurses auch darauf. 

Ich unterstütze meist Frauen, die entweder sehr unsicher oder auch ängstlich im Bezug auf ihre Schwangerschaft und Geburt sind und sich mehr Selbstbestimmtheit und Selbstbewusstsein wünschen. Es sind aber auch viele Frauen dabei, die bereits eine traumatische Geburt erleben mussten und nun Angst davor haben, dass es sich wiederholt oder einfach mit den Erinnerungen nicht zurecht kommen. Ich begleite aber auch Frauen, die selbstbestimmte und informierte Entscheidungen, darüber treffen wollen, was genau sie sich bei der Geburt vorstellen und was sie nicht erleben wollen. Sie wollen ihre Geburt frei gestalten, ohne das jemand anderes über sie und ihren Körper bestimmt. 

Wie gestaltet sich die Selbstständigkeit in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Wie ist dein Tag strukturiert?

Bisher klappt es eigentlich ganz gut. Obwohl meine beiden Kinder nicht in den Kindergarten gehen, schaffen wir es immer unsere Termine abzusprechen. Wir leben sehr flexibel und offen. Es ist uns wichtig, dass wir unser Leben frei gestalten können. Meistens arbeite ich nachmittags oder auch abends. Gerade durch meine Arbeit mit Mamabirth kommt mir die Zeitverschiebung zu Gute, da ich Dinge wie z.B. die Live -Calls für meinen Kurs, für mich auf den Nachmittag bzw. Abend oder auch auf das Wochenende legen kann. So passt es für alle immer ganz gut. 

Liebe Antonia vielen Dank für dieses Interview und deinen Einsatz Mütter bestmöglich auf die Geburt und das Wochenbett vorzubereiten! In Zeiten, in denen die Geburtshilfe politisch immer weiter an Stellenwert verliert, leistest du Arbeit die so wertvoll ist und dringend gebraucht wird!

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