Das perfekte Schulkind oder Mein unperfektes Vorschulkind

Das perfekte Schulkind muss so einige Eigenschaften beinhalten! Es muss interessiert, wissbegierig und neugierig sein. Lernen muss ihm Spaß machen und das unabhängig von seinen eigenen Interessen. Es muss zu jeder Zeit, jedes Thema verschlingen und am Besten sofort verstehen. Es macht immer alle Arbeitsaufträge sofort und einwandfrei! Kleine Fehler dürfen passieren, werden aber gleich korrigiert. Dieses Kind hat ein ruhiges Gemüt, ist dabei aber nicht zu schüchtern. Es nimmt freudig am Unterricht teil ohne dabei zu stören. Wenn es etwas nicht versteht, dann fragt es nach, aber das kommt eher selten vor.

Es vergisst nie etwas und ist gut organisiert. Dieses Kind ist offen, freundlich und höflich, dabei aber auch nicht zu extrovertiert. Es ist mutig und geht aus sich heraus, ist dabei aber kein Draufgänger. Die Klassengemeinschaft hat einen hohen Stellenwert und das Kind versteht sich mit allen Kindern gleichermaßen gut. Ängste im Kontakt mit anderen sind nicht vorhanden. Der Lehrer wird als Respektsperson anerkannt und seinen Anweisungen folge geleistet. Negative Verhaltensweisen werden nicht gezeigt. Dieses Kind erfüllt alle Kriterien um gut durch die Schulzeit zu kommen.

Mein unperfektes Vorschulkind

Noch ist es nicht so weit. Noch haben wir etwas Zeit, aber bald kommt mein großer Sohn in die Schule! Diese Entscheidung haben wir jetzt erst getroffen, denn sicher war es nicht. Und das obwohl er ein Muss-Kind ist. Warum also war überhaupt von einem weiteren Kindergartenjahr die Rede?

Mein großer Junge entspricht so gar nicht dem Bild des perfekten Schulkindes. Er ist ruhig, auf den ersten Blick introvertiert, er ist kein Räuber und auch niemand der sich gerne in den Vordergrund stellt. Er spielt gern für sich alleine und macht nur selten etwas, wenn er dazu keine Lust hat. Basteln ist nicht gerade seine Stärke und interessiert ihn auch nicht so sehr. Er baut gerne, liebt Rollenspiele und hat hier sehr viel Ausdauer. Er bewegt sich gern, aber in seinem eigenen Tempo und nur so lange er sich sicher fühlt. Er ist sehr vorsichtig und hat viele Ängste die er erstmal überwinden muss. Motorisch hat mein Großer seine Schwierigkeiten, aber wir arbeiten daran und es wird langsam besser.

Für mich ist all das noch lange kein Grund ihn nicht einzuschulen. Er ist schlau, wissbegierig und wird in der Klassengemeinschaft gut zurecht kommen. Aber ja, es ist eben nicht alles perfekt. Bedenken kommen vor allem seitens des Kindergartens. Ich möchte diese auch nicht als Unbegründet abtun, dass sind sie auf keinen Fall! Es ärgert mich eher, dass ein ruhiges, eher introvertiertes Kind sofort als nicht schulreif angesehen wird.

Defizite oder Persönlichkeit

Ich habe mich anfangs sehr verunsichern lassen und hatte das Gefühl ich kenne mein eigenes Kind nicht mehr. So wie er da beschrieben wurde habe ich ihn nicht gesehen. Mir sind diese Defizite nicht aufgefallen. Konkret ging es um Stifthaltung, motorische Unsicherheiten und fehlende Konzentration. Ich habe die Bedenken der Erzieher ernst genommen und wir begonnen daran zu arbeiten. Vor allem durch die Ergotherapie konnten wir einiges erreichen.

Heute ist mein großer Sohn sicherer und traut sich auch mal mehr zu, aber dennoch passiert bei ihm viel über den Kopf. Er fragt sich immer zuerst ob etwas gefährlich ist, ob ihm evtl. etwas passieren könnte. Er ist also weiterhin sehr vorsichtig und braucht Zeit. Selten macht er etwas ohne sich vorher darüber Gedanken gemacht zu haben. Mittlerweile sehe ich das nicht mehr als “Fehler” an, sondern als eine Eigenschaft. So ist er und das ist auch gut so! Ich möchte das nicht ändern. Natürlich steht er sich manchmal selbst im Weg, aber nur er kann das überwinden und das tut er auch immer öfter!

Schule – Leistungsdruck vs. Kindheit

Die Kinder sind noch nicht mal in der Schule und schon geht der Leistungsdruck los. Bereits im Kindergarten gibt es Deutschstunden, Vorschulgruppen und Schulkooperationen. Grundsätzlich habe ich nichts dagegen, wenn die Kinder spielerisch bereits im Kindergarten Buchstaben, Zahlen, Mengen etc. lernen. Die Betonung liegt dabei aber auf “spielerisch” und bitte ohne Druck. Wenn ein Kind es nicht sofort kann, dann muss das okay sein. Ich will mein Vorschulkind nicht zum üben anhalten müssen, ihn zum Basteln zwingen oder das x-te Ergotherapierezept vom Kinderarzt verlangen.

Das dieses Schulsystem gravierende Fehler hat muss ich nicht weiter erläutern. So schnell wird sich daran aber auch nichts ändern. Was sich jedoch verändern kann ist unsere Einstellung zu diesem frühkindlichen Leistungsdruck. Und ich möchte mich nicht verunsichern lassen und schon gar nicht möchte ich einem kleinen Kind ein Stück seiner Kindheit nehmen, weil die Gesellschaft nur noch an Wachstum interessiert ist. Ich mache nicht mit!

Alternative Schulkonzepte als Lösung?

Tatsächlich geht meine Einstellung eher in Richtung “Unschooling” ala André Stern, aber aktuell sind wir in Deutschland davon meilenweit entfernt. Ich denke schon, dass alternative Schulkonzepte die Lösung sein können oder es bereits für viele Kinder sind. Leider habe ich da weder viel Einblick noch hier im ländlichen Bereich die Möglichkeit meine Kinder in eine solche Schule zu schicken.

Ich hoffe auf die Dorfschule und ein entschleunigtes Lernen mit viel Freude und Neugier!

Wie ist das bei euch? Gehen eure Kinder auf eine Regelschule? Kommen alternative Einrichtungen für euch in Frage?

Eure,

Lila♥

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