Dreifach Wertvoll – Welt-Down-Syndrom Tag

Heute am 21.03 ist Welt-Down-Syndrom Tag. Meiner Meinung nach einer der wichtigsten Tage im Jahr.  Am Umgang mit diesem Thema zeigt sich für mich wie inklusiv eine Gesellschaft denkt und handelt. Leider werden weiterhin viel zu viele Schwangerschaften abgebrochen, wenn die Diagnose Down-Syndrom im Raum steht. Ich finde diese Entwicklung furchtbar! Auch wenn mir bewusst ist, dass die Diagnose für Eltern ein Schock ist und erst einmal das ganze Leben auf den Kopf stellt. Leider werden Betroffene immer noch viel zu weniger unterstützt. Es scheint mir manchmal als wäre eine Weiterführung der Schwangerschaft schon allein von den behandelnden Ärzten nicht gewünscht und daher wird nicht ausführlich beraten.

Dieses Jahr ist das Motto “What I bring to my Community!”. Menschen mit Down-Sydnrom werden anders wahrgenommen und viele glauben, dass ein “normales” Leben für sie nicht möglich ist. Ich habe das anders erlebt und möchte gerne von drei Jugendlichen berichten die ich während meiner Arbeit als Jobcoach in einer Integrationsbegleitung kennen lernen durfte.

Anna*

Anna war 16 Jahre alt. Sie war ein kleines zierliches Mädchen mit langen blonden Haaren. Sie wollte nach der Schule in einem Bekleidungsgeschäft arbeiten. Wir haben ihr ein Praktikum  mit einer Tätigkeit gesucht die für sie gut zu bewältigen war. Anna war hochmotiviert und sehr fleißig. Wichtig war aber das sie ohne Druck arbeiten konnte und eine sich wiederholende Aufgabe bekam. In diesem Fall war ihr Arbeitsplatz das Lager. Dort packten wir Kleidung aus und sortierten sie nach Größen. Anna gefiel das sehr gut. Es hatte mit Klamotten zu tun und sie konnte sich Zeit lassen. Sie arbeitete gewissenhaft, hielt ihre Pausenzeiten genau ein und kam nie zu spät. In ihrer Freizeit ging sie reiten, spielte Fussball und traf sich mit Freundinnen. Es war schön sich mit ihr zu unterhalten.

Martin*

Martin war genau so alt wie Anna. Seine Eltern legten großen Wert auf die richtige Förderung und gute Umgangsformen. Er liebte Autos und kannte alle Marken. Was er sich auch unglaublich gut merken konnte waren Autobahnausfahrten. Er wusste genau wie die Ausfahren lauteten und welche aufeinander folgen. Sein Wunsch war es mit Menschen zu arbeiten. Er bekam ein Praktikum im Altenheim. Mittags half er beim Tischdecken und Abräumen und beschäftigte sich mit den alten Menschen. Er spielte Spiele, sang Lieder vor oder erzählte Geschichten. Schwer zu sagen wer von seiner Anwesenheit mehr profitierte. Natürlich hatte er auch Defizite. Seine Aussprache war nicht so gut und er brauchte etwas mehr Anleitung. Daher lief das Coaching auch über drei Monate. Am Ende wollte das Altenheim im gerne erstmal ein längeres Praktikum anbieten. Martin war eine Bereicherung für den Alltag der alten Menschen und auch für die Mitarbeiter.

Sofie*

Sofie fiel einem sofort auf. Sie war kunterbunt gekleidet, strahlte über das ganze Gesicht und war zu jedem sehr freundlich. Ich coachte sie in einem Versicherungsbüro. Sie sollte am PC arbeiten und Zahlen in eine Tabelle eintragen und anschließend die Dokumente in die richten Ordner einsortieren. Das war für sie kein Problem, denn sie konnte einwandfrei lesen und schreiben. Sie liebte es außerdem zu singen und würde am liebsten Schauspielerin werden. Nachmittags war ihr Terminplan meistens voll, weil sie so viele Hobbys hatte. Außerdem schrieb sie Flyer zum Thema Down-Syndrom für Eltern die ein solches Kind erwarten. Sie wollte ihnen Mut machen und zeigen daß sie ihr Leben liebt!

Diese drei Jugendlichen hatten vor allem eins gemeinsam. Sie haben ein glückliches und erfülltes Leben mit Zukunftsperspektive. Sie werden aufgrund von betreuten Wohngruppen in der Lage sein können ein Leben unabhängig von ihren Eltern zu führen. Weder waren sie ausgeschlossen noch fühlten sie sich behindert. Es liegt an uns das Inklusion funktioniert. Wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen und dann ist alles möglich! Jeder Mensch kann etwas in die Gesellschaft einbringen, wir müssen es nur zulassen!

Ich wünsche mir mehr Toleranz! Ich wünsche mir eine Gesellschaft die nicht immer nur nach mehr Leistung und Perfektion strebt, sondern in der Menschlichkeit an erster Stelle steht. Wir können von Menschen wie Anna, Martin und Sofie so viel lernen! Ich habe unglaublich viel gelernt! Ich habe gelernt was wirklich wichtig ist und ich habe gelernt, dass es für jeden Menschen einen Platz gibt und jeder einen Beitrag zu einem besseren Miteinander leisten kann.

Eure,

Lila♥

(* Namen geändert)

3 Kommentare

  1. Danke für diesen wunderbaren Bericht!!!! Den werde ich morgen auf jeden Fall in meiner „Nachlese“ zum Welt-Down-Syndrom-Tag“ veröffentlichen! Hättest Du vielleicht auch Interesse, etwas zu meiner Blogreihe zum Thema Inklusion beizutragen? ich fände es total spannend, auch einmal eine professionnelle Sicht zu lesen – und das Thema Arbeitsmarkt kam bisher auch ein wenig zu kurz!

    • Oh vielen Dank! Sehr gerne würde ich gerne etwas zum Thema “inklusiver Arbeitsmarkt” schreiben!

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