Warum Hebammen so wichtig sind

An diesem Thema kommt man im Moment in den sozialen Netzwerken nicht vorbei. Hebammen werden zu schlecht bezahlt, haben schlechte Arbeitsbedingungen und sind schon längst vom Aussterben bedroht.

Es ist also mittlerweile schon fast Glückssache eine zu bekommen und dann kommt für mich noch hinzu, dass es nicht reicht einfach nur eine Hebamme zu haben. Eine Hebamme hat eine so wichtige Aufgabe, sie soll eine Unterstützung sein, mit Rat und Tat zur Seite stehen und immer ein offenes Ohr haben.

Eine schlechte Erfahrung

Bei meiner ersten Geburt wurde ich von der Hebamme im Kreißsaal wirklich sehr schlecht behandelt. Sie hat sich nicht um mich gekümmert und meine Beschwerden nicht ernst genommen. Erst als der Liebste um Hilfe bat hat sie eine Ärztin geholt. Es hat sich schnell herausgestellt, dass ich ein HELLP-Syndrom entwickelt habe und sofort in den OP musste. Die besagte Hebamme ist dann nur noch einmal aufgetaucht um mir mein Baby auf die Intensiv zu bringen. Sie wollte wieder kommen um mir beim Stillen zu helfen, aber sie kam nicht mehr. Auch meine Nachsorgehebamme war damals keine große Hilfe. Veraltete Ansichten (Kind schreien lassen) und kaum Zeit. Meine erste Erfahrung mit dem Berufsbild “Hebamme” war demnach eher schlecht.

In meiner zweiten Schwangerschaft war dann für mich klar, dass ich keine Hebamme mehr kontaktieren werde.Ich sah einfach keinen Mehrwert für mich und wollte mich nicht unnötig mit jemandem herumschlagen der mir keine Hilfe bietet und vielleicht sogar unnötig Zeit raubt.

Die beste Hebamme für mich!

Ich habe mir ein anderes, kleineres, familiäres Krankenhaus zur Entbindung gesucht und im Kreißsaal traf ich auf meine Hebamme. Ich habe mich so wohl gefühlt. Sie hat mich unterstützt und mir das Vertrauen an mich selbst zurück gegeben. Und im entscheidenden Moment, hat sie die Verantwortung übernommen und eine wichtige Entscheidung für mich getroffen. Ich bin ihr unglaublich dankbar für diese tolle Begleitung. Als sie gehört hat, dass ich keine Hebamme habe hat sie sich angeboten. Und dass obwohl ich nicht in ihrem Einzugsgebiet wohne. Einfach so spontan und kurzfristig.

Nach der Geburt musste mein kleines Mädchen auf die Kinderintensiv in eine andere Klinik verlegt werden und einen Tag später durfte ich zu ihr. Es war das selbe Haus indem auch mein Sohn auf die Welt kam. Und wieder wurde ich so schlecht behandelt. Es war furchtbar. Mütter werden allein gelassen, Babys werden mit Gewalt an die Brust der Mutter gedrückt. Mir war klar, dass ich hier nicht bleiben kann. Das Stillen hat leider auch so gar nicht funktioniert. Wir hatten keine Ruhe und ich war gestresst. Also bin ich nach zwei Tagen heim und war wirklich verzweifelt. Ich konnte nicht stillen, hatte viele Schmerzen und war psychisch sehr labil.

Meine Hebamme kam und hat mir zugehört, war für mich da und hat mir eigentlich nur eines gesagt:

“Vertraue dir selbst! Schaue dein Kind an! Sie weiß wie es geht und zusammen schafft ihr das!”

Das war alles. Ich hab es mir also bequem gemacht und der kleine Wirbelwind lag auf einem Stillkissen vor mir. Und ich habe gewartet. Es hat gedauert, aber nach und nach ging sie immer besser an die Brust und nach zwei Wochen hat es wunderbar funktioniert. Wir haben einfach Zeit gebraucht. Zeit dir wir aufgrund der traumatischen Geburtssituation nicht hatten.

Meine Hebamme hat mir gezeigt, dass wir uns und unseren Kindern vertrauen müssen. Sie hat mir durch das Wochenbett geholfen, stand mir immer zur Seite und das ohne irgendwelche Babyratgebertipps. Ich wurde von ihr ermutigt auf meinen Körper zu hören und mir Ruhe zu gönnen. Sie hat uns beide, mich und mein Kind, ernst genommen und mich dafür sensibilisiert diesem Weinen zuzuhören, denn auch mein Baby hat eine Trennung erlebt.

Ich bin dieser Frau unglaublich dankbar.

Heute hat sie mich angerufen und mir mitgeteilt, dass sie mich gerne wieder begleitet. Und ich freue mich so sehr! Ich weiß einfach, dass mit ihr an meiner Seite alles gut wird. Ich kann ihr vertrauen und habe mit ihr jemanden an der Hand, der sehr kompetent ist und meinen Weg mitgeht.

Hebammen können eine solche Bereicherung sein! Natürlich gibt es auch hier (wie in allen Berufen) auch so manche die im stressigen Berufsalltag ihre Empathie an den Nagel gehängt hat. Aber das ist ein politisches Problem. Bei den Arbeitsbedingungen ist die Frustration ja quasi vorprogrammiert. Ich finde es unglaublich traurig, dass es eine Gesellschaft zu lassen kann, diese wertvolle Unterstützung nicht zu würdigen. Wir alle müssen auf diese Welt kommen und Hebammen ermöglichen es, dass wir einen guten Start haben.

Sie geben uns Selbstvertrauen und Zuversicht, sie hören zu, sind für uns da und nehmen uns ernst. Sie sind unser Anker im hormongeplagten Wochenbett! Wir sollten ihnen endlich mehr Anerkennung entgegen bringen!

Eure

Lila♥

 

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3 Kommentare

    • Ich freue mich selbst so sehr darüber! Egal wie viele Kinder man hat oder wie erfahren man sich fühlt, ich finde nach jeder Geburt fängt man wieder von vorne an. Und es beruhigt mich, dass ich dann jemanden habe der meine Gefühle nachvollziehen kann.

  1. Pingback: Hallo GegenwartsIch! #9/#10 - Erdbeerpause

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